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lampe an, beine dicht.

Fullhouse auf dem Treppchen, Wiesbaden Nightrider, 13.11.2010

Der Streckensprecher läuft zur Höchstform auf. Während in der Wechselzone im strömenden Regen harrende Fahrer versuchen Ihre Teampartner im Gegenlicht der Halogen- und LED Brenner im Dunkel der Nacht zu erkennen, dreht der selbsternannte Aushilfs DJ den Ton der Beschallungsanlage immer lauter. Die Boxen, malträtiert durch die kriechende Feuchtigkeit kündigen ihr baldiges Lebensende durch vernehmliches Knarzen in Tonlage von tausend Tune Innenlagern an. Immerhin ist so in der Wechselzone jedwede Kontaktaufnahme mit dem Teampartner per Stimme eindrucksvoll unterbunden. Was soll man dem auch sagen? Die Zeitnahme ist kurz nach zwei Stunden vor Rennende im Wasser abgesoffen, die Zwischenstände in den Einzelkategorien sind unbekannt. Stattdessen verkündet der Veranstalter das ab jetzt alle Rennfahrer nur noch mit verkehrsgerechtem Rücklicht fahren dürfen, „das wär ihm eben eingefallen und doch ganz wichtig“. Aber ehrlich gesagt, es kümmert keinen – und das nicht im negativen Sinn, weil alle sind beschäftigt mit „Rennen fahren“. Und zwar kalt, dunkel, matschig, nass und schnell – so wie Mountainbiken halt sein muss. Und alle sind froh das es so engagierte Veranstalter wie den RSC Wiesbaden gibt der so was auf die Kette bekommt, danke!!!

Have some fun - lets bike tonight

Alle Rennfahrer des 4 Stunden Nightride in der Zweier Teamwertungsklasse hatten Spass, soweit wir das sehen konnten. Das Rennformat ist eigentlich ganz pfiffig angelegt. Los geht’s um 16.00 Uhr mit der obligatorischen neutralisierten Phase (weil noch der Walkingtreff auf der Strecke trainierte (ehrlich)). Gut, neutralisiert war es dann für die, die den 30er Schnitt am Anstieg hinter dem Motorrad halten konnten. Aber mit der Startzeit konnte sich jeder Teilnehmer noch den Kurs ausreichend im Halbhellen anschauen, bevor es dann schnell hiess: „Lampen an!“ Die beiden Laktatexpress Teams, Markus und Markus bei den Senioren und Sandra und Matthias bei den Mixed hatten sich gegenseitig den Fehdehandschuh hingeworfen und gingen engagiert mit „Heavy Rotation“ Einerrunden Strategie an den Start. Der Kurs in Wiesbaden ist für diese schnellen Wechsel wie geschaffen, weil nach der Wechselzone geht’s erst mal zum Beine lockern auf rollstuhlgerechten Feldwegen bergab, unten dann ein Knick, eine kleine Rampe zum Vorglühen, lange leicht ansteigende Gerade, dann das fahrtechnische Highlight, eine 270 Grad Kurve mit Matschwinkel, zwei fiese Wellen, kurve, ne Restwelle zur Bergwertung, und dann bis auf eine kleinen Drücker wieder alles in rasendem Tempo bergab. Nix wo man sich Verfahren kann oder wo nachts ne Wurzel im Vorderrad hängen bleiben könnte. Aber für nachts und im Renntempo vollkommen ausreichend!

Smoooke on the waaater… fire in the sky.
mag Zappa's Frühwerk..                      ..und ist ein guter!

„Ja woll’ ihr denn nich ei’mol middanze?“ fragt der Streckensprecher die paar Gestalten die da auf der gegenüberliegenden Seite im durchaus warmen Regen stehen. Derweil hat Deep Purple an Modern talking übergeben und anschließend schnulzt eine Ballade der Skorpions in den Wald. Die gesamte Novemberlethargie wird in solchen Momenten in voller Tragweite bewusst und verdrängt den Rennfahrergeist aus dem Neokortex . „Nä, lass mal bei der Mucke..“ versuchen die Fahrer sich nicht aus der Konzentration bringen zu lassen. „Ja isch kann auch mei Fränk Zappa Kassett’ hole??“ Und siehe da, fünf Minuten später wird ein Kindheitstraum wahr – auch wenn einige Teilnehmer nur auf eine Musikpause gehofft hatten. Naja, aber Zappa ist ja für seine durchaus kurzen Intros und außerordentlich rythmisch eingängigen Songs bekannt – wenn da noch einer hessisch drüber babbelt, super.. die aus dem Wald kommenden Einsatzfahrer wundern sich dann doch etwas. Aber so ein Nachtrennen mitten im Winter kann ruhig etwas subversiv sein. Der hochoffizielle BDR Scharping Sympathisant nebst ehrenwerter Gattin hatte die Veranstaltung pünktlich bis Sportschau Sendezeit mit Anwesenheit gesegnet. Den zahlreichen Lizenz und Hobbyteams war’s egal - ist ja auch nicht UCI konform, mitten in der Winterpause nachts mit Puls 180 begeistert durch den triefenden Forst zu knallen. (Obwohl der Veranstalter einen Tag vor dem Rennen alle Cyclocrosser wieder ausgeladen hatte weil O-Ton: „auf der Strecke MTB gegenüber Cyclocrosser eine Benachteiligung darstellen“ !! Oohh welch Armutszeugnis für die Hardcore 26“ Fraktion. Das arme MTB, eine benachteiligte, zu langsame und deshalb schützenswerte Spezies… Soweit ist es also schon??)

Inzwischen ist das Rennen in der „letzte Stunde“ Phase, alle Kurbeln und Akkus auf Einsatzreserve – 4Stunden sind ja ok, aber 24 Stunden Rennen im Zweierteam ist hiermit offiziell von der ToDo Liste der nächsten 10 Jahre gestrichen. Erinnert mich bitte daran. Aber so 4 Stunden im Zweierteam mit schnellen Wechseln im 11-13 Minutentakt - macht einfach Spass durchzuziehen. Und auch Kleinigkeiten können die Teilnehmer nicht aufhalten, einem Starter fliegt die Sattelstütze um die Ohren, muss halt der andere ein bisschen fahren bis ein Ersatz organisiert ist. Sandras Lupine gibt auf einmal im Wald den Geist auf - sie rettet sich einfach im Lichtkegel von anderen Fahrern lutschend zum Ziel. Immerhin war das am Ende ihre schnellste Runde – Angst macht doch schnell;-)). Ersatz montieren, weiter geht’s..

Read my Lips!

„Im Augenblick auf Gesamtrang 17. Team Testsocke/14Gänge … und auf Rang 19. Team Lakkatex…“ dröhnt es durch die Boxen. Endlich mal ein Zwischenstand. Aber Daniela als Daniel mit Michael in der Herrenwertung - und wer bitte ist Lakatext?!! Mir reichts, ich wechsle erbost die Seite der Rennstrecke und knöpf mir den Typ mit dem Micro vor. „Schau mal auf Deinem Zettel, was steht da?“ „Llll – Laktat- Test.“ „Falsch!“ „LLL, Laaa – Lackmustest?“ „Nein, auch falsch, noch mal“. „Isch habs – Latex Express?!“ „Fast, nah dran, jetzt noch mal Konzentration auf vorne…“

Irgendwann sind die Sprachkurse beendet, rasen die Führenden durchs Ziel, die Glocke verkündet die letzte Runde für alle Teilnehmer. Dann ist die wilde Hatz auch schon wieder vorbei. Schnell Sachen packen, raus aus dem feuchtklammen Einteiler, die Weste wird nach drei Wäschen noch nicht wieder weiß sein.. Abreisen, oder doch noch zur Siegerehrung? Die Situation auf der Rennstrecke war vollkommen unübersichtlich. Naja, wenigstens aus Höflichkeit noch hin gehen weil Dani mit Michael auf sicherem Medaillenkurs unterwegs waren. Vorher bestaunen wir noch, wie das THW Wiesbaden ca 20 Aussenspiegel von ahnungslosen Teilnehmerautos für einen Parkplatz direkt vor dem Vereinsheim opfert. Aber so freiwillige Helfer sind ja zu pflegen, welcher Idiot stellt sich schon ehrenamtlich samstag nachts in den verregneten Wald. Ist schon ok – Ihr seit unsere Retter, nur lasst nächstes Mal jemanden den Lastwagen fahren der über 18 ist;-)))

Look in my Race Face!

Nach einem guten Rennkuchen und lecker Kaffee verpassen wir dann doch fast die Siegerehrung. Und das wäre sehr schade gewesen! Denn jetzt kommt der Hammer: Markus und Markus müssen aufs Treppchen. Präsentkorb inklusive, Dani und Michael sowieso, und dann auch noch Sandra und Matthias! Fullhouse! Fünf von fünf Teilnehmern auf dem Podium. Damit ist der Laktatexpress zwar nicht teilnehmerstärkste Mannschaft, aber sicherlich die erfolgreichste Mannschaft des Abends. Und wenn wir so weiter machen, dann kann der Streckensprecher 2011 auch unseren Namen aussprechen - und wir bringen eine Kassette mit;-)) Weil – das muss hier gesagt werden - wir fanden die Veranstaltung echt toll und wir kommen garantiert wieder!!!

Lupine Loup!

Matt

der referent ist noch den Kuchen testen...

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